Jedes Jahr zum etwa selben Datum begeht der „Bund der Steuerzahler“ einen Steuerzahler_innengedenktag. So auch heute am 8.7.2014. Sein Präsident, Rainer Holznagel, gedenkt, dass ab 1h 09 die Bevölkerung endlich in die eigene Tasche wirtschaften würde. Bis dahin sei einzig und allein für den Staat, Sozialversicherungen, staatliche Rundfunkanstalten und ähnliche Institutionen gearbeitet worden. Das mag zwar richtig sein, doch stellt sich die Frage, ob sich der Herr Holznagel und sein „Bund …“ das genau überlegt haben. Wer ist denn nämlich dieser böse Staat, für den unablässig geschuftet werden muss? Hat den jemand schon mal gesehen?  Und warum zwingt er so tyrannisch, für sich zu arbeiten? Vielleicht würde sich für Herrn Holznagel die Frage klarer beantworten, wenn er sich einmal darüber Gedanken machen würde, wie die Straße finanziert wird, auf der er morgens zu seiner Arbeit gelangt; wie der Krankenwagen und dessen Fahrer_in bezahlt werden, falls ihm auf dem Weg zur Arbeit etwas passiert?  Oder wie verhindert wird, dass er auf dem Weg zur Arbeit überfallen wird? Der soziale Frieden, den der Sozialstaat garantiert, und dem es zu verdanken ist, dass die Ursachen für Kriminalität verhindert werden, braucht nun einmal eine solide Finanzierungsgrundlage. Aber wenn ihm das böse deutsche Steuermonster solche Albträume verschafft, dann steht es ihm ja frei, seinen Wohnsitz zu verlegen: Bspw. nach Costa Rica, wo dank niedrigster Steuern die Autobahnen vor lauter Schlaglöchern kaum befahrbar sind; oder in eines der mittelamerikanischen Steuerparadiese seiner Wahl, wo der so gepriesene Mittelstand aufgrund der teuren Sicherheitsvorkehrungen, die jede_r privat für sich organisieren muss, ächzt und verarmt.
Vielleicht hat das böse deutsche Steuermonster ja doch etwas für sich.

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